Geschichte der Feuerwehr

Vorgeschichte

Erst seit 1849 bzw. 1818 gibt es in Bayern auch Freiwillige Feuerwehren. In ländlichen Gegenden waren jedoch solche Wehren um die Mitte des 19. Jahrhunderts noch eine Seltenheit. Die meisten Feuerwehren, die nach 1850 entstanden, waren zunächst Gemeindefeuerwehren und damit Pflichtfeuerwehren. Von den 1236 politischen Gemeinden in Oberbayern waren im Jahre 1900 noch 165 ohne freiwillige Feuerwehr.
Die im Jahre 1875 gegründete Freiwillige Feuerwehr Garching wurde damit mitten in der ersten allgemeinen Gründungswelle zwischen 1850 und 1900 ins Leben gerufen und dürfte damit zu den ältesten freiwilligen Feuerwehren in Deutschland gehören.


Freiwillige Feuerwehr Garching a.d.Alz seit 1875

Chronik der Feuerwehr Garching
Die Geschichte der Freiwilligen Feuerwehr Garching ist eine Zweigeteilte. Nämlich ein mit Dokumenten weitgehend lückenlos belegbarer und ein, von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen, nicht belegbarer Teil, dessen Dokumente durch den zweiten Weltkrieg vernichtet wurden oder nicht mehr auffindbar sind. Doch das, was sich aus dieser Zeit erhalten hat, reicht aus, ein kontinuierliches Bild der Geschichte der Freiwilligen Feuerwehr Garching zu entwerfen.
Das genaue Gründungsdatum der Freiwilligen Feuerwehr Garching lässt sich heute leider nicht mehr feststellen. Fritz Demmel nennt in seiner Chronik der Gemeinde Garching den 1. April 1875, verweist aber auf einen Bericht im „Südostkurier“ vom 20. Juni 1950, wonach die Gründung am 1. Juni 1875 erfolgte. Die Festschrift zum 100jährigen Gründungsfest der FFW Garching nennt hingegen den 28. Oktober 1875. Unstrittig hingegen ist, dass die Gründung auf Anregung des Schmiedemeisters Josef Spatzl aus Untergarching erfolgte.


Das erste Feuerwehrhaus

Bereits 1877 wurde das erste Feuerwehrlöschhaus errichtet der Standort war damals in Winkelhart. Die Baukosten für das Gebäude betrugen 890 Mark.
Wie bereits erwähnt existieren aus der Zeit vor 1949 kaum Unterlagen. Das Älteste, noch im Original erhaltene Dokument ist ein Kassenbuch aus dem Jahre 1895, das aber auch schon Lücken aufweist. Die erste, noch erhaltene Abrechnung stammt aus dem Jahre 1901. 1902 baute man den nordöstlichen Trakt des Garchinger Pfarrhofes zu einem „Feuerlöschrequisitenhaus“ um. Am 10. Juni 1900 wurde das 25-jährige Gründungsfest gefeiert. Im Jahre 1912 hatte die FFW mit 91 Aktiven den bislang höchsten Personalbestand ihrer Geschichte. Am 29. Mai 1927 wurde das 50-jährige Gründungsfest gefeiert. Warum dieses Fest erst 1927 und nicht 1925 begangen wurde, lässt sich heute leider nicht mehr feststellen.
Dies sind im Wesentlichen die heute noch belegbaren Ereignisse bis zum 2. Weltkrieg.


Die Feuerwehr im "Dritten Reich"

Zwischen 1939 und 1945 wurde in Garching 180 mal Fliegeralarm gegeben mit gleichzeitiger Feuerwehrbereitschaft. Im März 1944 wurde eine tragbare Motorspritze TS 8 mit Mannschaftswagen beschafft. Dieser löste die pferdebespannte Spritze ab und läutete auch bei der Garchinger FFW das Motorzeitalter ein.
Insgesamt 10 mal musste die Garchinger Wehr zu Löscharbeiten in das zerbombte München ausrücken. Kdt. Niedersteiner erinnert sich:Garching wurde dann vom Feuerwehrbezirksverband zum Löschzug Altötting eingeteilt und musste bei Fliegerangriffen auf München mit den motorisierten Wehren Altötting, Neuötting, Burghausen, Töging, Unterneukirchen zum Löschen nach München ausrücken. Die FFW Garching musste insgesamt 10 mal nach München ausrücken. Unsere Wehr war in zwei Gruppen eingeteilt. Gruppe I war Kommandant Dorfner, Gruppe II war Niedersteiner Josef. Gruppe I: Dorfner war Arbeiter im Werk Hart, wurde jeweils nach München freigestellt. Gruppe II: Niedersteiner war Postbote in Wiesmühl und konnte nicht jedes Mal weg und so musste ich, Nikolaus Niedersteiner, dafür einspringen und nach München fahren. Gruppe I war 3 mal und Gruppe II war 7 mal in München beim Einsatz.“


Bombenangriff auf Garching

Durch den Bombenangriff auf den Bahnhof Garching am 19. März 1945 wurde das bei Mechaniker Göbl untergestellte Feuerwehrfahrzeug unbrauchbar. Im Mai wurde das teilweise reparierte, aber immer noch nicht einsatzfähige Fahrzeug von den Amerikanern beschlagnahmt und erst nach mehreren Monaten wieder freigegeben. Hierzu noch einmal Kdt. Niedersteiner:Beim Fliegerangriff auf Garching am 19. März 1945 wurde unser Feuerwehrauto im Standort bei Mechanikerwerkstätte Göbl fahruntüchtig bombardiert und war unbrauchbar bis nach Kriegsende. Das Auto, zerbombt, wurde von den Amerikanern beschlagnahmt für längere Zeit. Als es dann nach ein paar Monaten frei gegeben wurde, haben es Kommandant Dorfner und Limonadenmacher Johann Schuster wieder aufgebaut aber nur halb fertig.“


In der Nachkriegszeit

Zitat Niedersteiner: „Da wurde 1946 Kommandant Dorfner von den Amerikanern als Kommandant abgesetzt weil sie glaubten, Dorfner sei ein Nazi gewesen und so musste er als Kommandant abtreten.“

Als neuer Kommandant wurden mehrere vorgeschlagen, aber keiner wollte es werden und so bestimmte Bürgermeister Obergröbner im Mai 1946, dass Nikolaus Niedersteiner, Schneidermeister und Mesner der Herz Jesu Kirche, das Amt Feuerwehrkommandant übernehmen muss.

Originalzitat Niedersteiner:
„Es war schwer für mich. Nach dem total verlorenen Krieg, ganz Deutschland zertrümmert, keine Ausrüstung mehr, kein Geld, keine Leute mehr, weil keiner mehr wollte. Der Mannschaftswagen war wohl halb fertig, ohne jegliche Türe, kein Glas, und Windschutzscheibe, als Ausrüstung nur noch: 1 B-Schlauch , 3 C-Schläuche , 2 Strahlrohre und kein Werkzeug mehr. Alles haben die Amerikaner fort genommen, und kein Geld in der Kasse und bei der Gemeinde auch keins.“
Diese Worte unseres ehemaligen Kommandanten müssen nicht mehr kommentiert werden. Sie sprechen in eindrucksvoller Weise für sich und diese schwere Zeit unserer Geschichte.


Neugründung des Feuerwehrvereins

Am 6.3.1949 wurde der Feuerwehrverein neu gegründet. Zum 1. Vorstand wurde Kommandant Niedersteiner gewählt. Damit wurde wieder die Grundlage für ein aktives Vereinsleben neben dem reinen Feuerwehreinsatzdienst geschaffen. Mit der Gründung des FFW-Vereins war somit die Grundlage für die Möglichkeit der passiven Mitgliedschaft gegeben. 1959 gab es neben den Aktiven unter der Führung von Kommandant Ludwig Lipp bereits 64 passive Mitglieder; 1961 bereits 84 . Eine neue Vereinssatzung wurde am 9.10.1952 verabschiedet.
Eine der ersten großen Aufgaben des neugegründeten Vereins war die Vorbereitung des 75-jährigen Gründungsfestes, das am 27.8.1950 begangen wurde. An diesen Gründungsfest nahmen 40 Gastvereine teil.


1958 wurde das neue Spritzenhaus beim Rathaus bezogen.Zwei Garagen , ein Schlauchturm, Schlauchwaschbecken und verschiedene Mannschaftsräume standen zu Verfügung.
Die Schläuche mussten bis dahin teilweise am Ostgiebl des Schartner – Stadls zum Trocknen im Freien aufgehängt werden.
Die Gruppe Mauerberg erhält 1958 für Festumzüge eine von Josef Niedersteiner gefertigte eigene Standarte, die heute noch erhaltene „Mauerberger Standarte“
(Schon vor der Neugründung des FFW – Vereins gab es , zumindest ab 1903 einen Feuerwehrverein. Im Zuge der nationalsozialistischen Gleichschaltung in den 30er Jahren wurde der Feuerwehrverein aufgelöst, so dass es dann nach dem 2.Weltkrieg zu einer Neugründung kam.)


Die Feuerwehr in den 60er und 70er jahren

Im Jahre 1963 legte erstmals eine Gruppe der FFW Garching das bronzene Leistungsabzeichen ab. Die ersten Träger waren :
Franz Sturm , Georg Schartner sen., Max Straubinger, Hans Gottschaller, Konrad Brey, Eduard Lohr, Josef Bruckeder,
Arnold Wallner und Günther Hetzler. Seitdem haben alljährlich Leistunsprüfungen in Garching stattgefunden.


Ein schwarzer Tag

Der 27.07.1972 war ein schwarzer Tag für die FFW Garching, im Alter von 26 Jahren verunglückte der stellvertretende Kommandant Josef Mädler mit seinem PKW tödlich.


100 Jahre Feuerwehr in Garching
In Vorbereitung auf das 100-jährige Gründungsfest wurde 1974 eine neue Fahne in Auftrag gegeben die am 17.04.1975 zum Preis von 5600,00 DM übergeben werden konnte.
Am 07.03.1975 wurde das Fest mit dem Patenbitten bei der FFW Wald eingeläutet.
Bis es dann am 10. und 11.Mai und die Festlichkeiten begannen.
Zum Festgottesdienst am Sonntag waren 88 Vereine, davon 44 Feuerwehren, gemeldet die in vier Festzüge aufgeteilt wurden.
950 auswärtige Teilnehmer mussten verköstigt werden . Insgesamt dürften ca. 1200 Gäste anwesend gewesen sein, ohne Angehörige und Zuschauer aus Garching.
Neben zahlreichen Fotos wurde auch erstmals ein 8mm Farbtonfilm gemacht.


Die Feuerwehr in den 80er und 90er Jahren

Am 25.09.1986 zog man in das neue Feuerwehrhaus an der Tüchlerstraße, dem jetzigen Domizil, um. Nach dem Umbau des ehemaligen Bauhofes standen der Wehr damit erstmals 5 Garagen für Einsatzfahrzeuge zur Verfügung. Dass die Wehrmänner bereit waren auch erhebliches eigenes Engagement zu entwickeln ist daraus zu ersehen, dass an diesem Gebäude allein 1792,5 Arbeitsstunden in Eigenleistung erbracht wurden. Der Dachstuhl von Sozialbau und Waschhalle wurde komplett in Eigenleistung erstellt. Betrugen die Baukosten für das erste Feuerwehrhaus noch 890,00 DM, mussten 1986 bereits ca. 1.000.000,00 DM aufgewendet werden.

Eine neue Ära der Feuerwehr beginnt 1991 als die FFW Garching zur Stützpunktfeuerwehr ernannt wird. Und dass unter der Regie von einem herausragenden Kommandanten – Josef Langschartner
Am 16.6 1996 waren wir Patenverein für das 125 jährige Gründungsfest der Feuerwehr Wald/Alz an dem sich unsere Wehr mit 53 Mann und 5 Mann Absperrposten beteiligte.
Am 8.9.1996 fand die Gründungversammlung des Kreisfeuerwehrverbandes statt. Garching, als Wehr der ersten Stunde des Verbandes ist Gründungsmitglied.
Ein weiterer Höhepunkt in diesem Jahr war die Gründung des Trommlercorps der FFW Garching durch den Kameraden Herbert Krieger.

Mitte des Jahres 1998 wurde in Garching die Unterstützungsgruppe örtliche Einsatzleitung kurz „UG-ÖEL“ ins Leben gerufen.

Eine neue Zeit beginnt im März 1999. Mit dem Eintritt von Sabrina Vetter in die Jugendfeuerwehr wurde die bis dahin selbstverständliche Beschränkung auf den männlichen Teil der Bevölkerung aufgehoben.


Das neue Jahrtausend 2000 - 2010

125 Jahre FFW Garching a.d.Alz
Vom 14.bis 18. September feierte die Feuerwehr Garching ihr 125 Jähriges Gründungsfest 5-Tage lang. Unser Patenverein war die Feuerwehr Wald/Alz. Vom Oldtimertreffen bis zum Poltischen Abend mit der bayerischen Sozialministerin und stellv. Ministerpräsidentin Barbara Stamm(MdL), Festzeltbetrieb, Festzug, Disco-Party und sogar Go-Kart-Rennen war das Jubiläum ein Höhepunkt am beginn des neuen Jahrtausends.


Feuerwehrhaus Erweiterung 2003
Am 1.Mai 2003 war Spatenstich für den Erweiterungsbau des Feuerwehrhauses, die Kostenschätzung betrug 46.000,00 €
Anfang 2004 war der Anbau nach 2035 Stunden in Eigenleistung
Der Feuerwehrmänner und 41.121,86 € fertiggestellt.
Somit verfügt die Garchinger Wehr jetzt über Platz für 6 Fahrzeuge. Die neue Garage wir genutzt für das Fahrzeug der UG-ÖEL.


2006 - Die FFW Garching geht online

Am 11.04.2006 um 00:42 Uhr geht die Hompage der Feuerwehr Garching a.d.Alz "ONLINE".

Erstellt und Betreut wurde sie von Christian Steiner der vorallem in der Anfangszeit eine große Unterstützung durch Texte von Hans-Jürgen Knob und Bildmaterial von Stefan Ress erfahren hat.


Ein schwarzer Tag für die Feuerwehr

Ein sehr trauriger Tag in der Geschichte der Freiwilligen Feuerwehr Garching war der 14.07.2006 bei dem unser FW Kamerad Stefan Ress, Maschinist und Vereinskassier bei einer Einsatzfahrt tödlich verunglückte und 6 weitere Kameraden zum Teil schwer Verletzt wurden.
Am 19.07.06 war die Beerdigung, der Trauergottesdienst war in der Herz-Jesu-Kirche in der die vielen Besucher kaum Platz bekamen.
Die überwältigende Anteilnahme war beeindruckend. Es waren 30 Organisationen von Freiwilliger- und Werksfeuerwehr, BRK, PI Traunstein und Altötting, Kripo Mühldorf, TUS Garching, THW und viele aus Politik und Verwaltung. Davon waren 18 Fahnenabordnungen dabei.
Auch die Partner-Feuerwehr aus Laa an der Taya in Niederösterreich gab unserem Kameraden die letzte Ehre. >>> Kondolenzbuch <<<


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